Europa am Ende ?

Neid, Bürokratie, Zaudern soweit das Auge reicht – doch es gibt einen Ausweg
Europa wirkt müde.
Während andere Weltregionen Tempo machen, neue Technologien entwickeln, Unternehmen aufbauen und Milliarden investieren, diskutiert Europa über Formulare, Zuständigkeiten und Vorschriften.
Die Frage – „Darf der denn das“ ist weit verbreitet. Sinnvoller ist die Frage – wie macht der das?
Ein schönes Beispiel der Nies 2 Weg – Datenschutz. Nun dürfen Unternehmen wieder ihre Identität bestätigen, und auch die Telefonnummer ist wichtig, der Nachweis, bin ich der, der ich auf meiner Homepage bin?
Zum Kuckuck – haben wir keine anderen Sorgen? Sind die Entscheidungsträger vollkommen von der Rolle?
Während die Welt sich verändert, steht sich Europa immer häufiger selbst im Weg . Wir haben die schönsten Formulare, unzählige Checklisten. Doch wo ist der Nutzen?
Das erinnert an die Dekadenz des römischen Reiches.
Man muss kein Pessimist sein, um zu erkennen: Der Kontinent hat ein Problem mit seiner eigenen Entschlossenheit.
Es ist nicht der Mangel an Ideen. Nicht der Mangel an klugen Menschen. Und schon gar nicht der Mangel an Geld.
Europas Schwäche liegt zunehmend darin, dass es seine eigenen Möglichkeiten nicht nutzt. Ein weiteres Dilemma – es fehlt an Führungspersönlichkeiten die die „Eier“ haben, gute Entscheidungen zu treffen.
Der Neid auf den Erfolg des anderen
Eine der unangenehmsten europäischen Eigenschaften ist der Neid auf diejenigen, die schneller sind.
Anstatt sich wie bei „Best-Practice“ gute Möglichkeiten abzuschauen, wird die Bürokratie noch mehr ausgebaut. Kein Wunder, dass Arbeitsplätze verloren gehen, Unternehmen abwandern oder in Konkurs gehen.
Wenn ein amerikanisches Unternehmen Milliarden verdient, wird zunächst darüber gesprochen, wie mächtig es geworden ist. Wenn ein europäisches Unternehmen erfolgreich wird, beginnt nicht selten die Debatte darüber, wie man es stärker kontrollieren, besteuern oder regulieren könnte.
Genau da ist der Hund begraben.
Natürlich braucht eine moderne Wirtschaft Regeln. Arbeitnehmerrechte, Verbraucherschutz, Wettbewerb und Datenschutz sind keine überflüssigen Erfindungen.
Das Ganze kann aber auch maßlos übertrieben werden – unzählige Prüfungen, Abstimmungsrunden, der kleinste gemeinsame Nenner als großer Erfolg – das ist zum Scheitern verurteilt.
Viele gute Ideen, bspw. Co2 Neutralität scheitern, weil engstirnige Bürokraten nicht erkennen, es reicht nicht A zu sagen, das hat Auswirkungen, auf B, C, D.
Photovoltaik, Windkraft ohne entsprechende Speicher, ohne angepasstes Stromnetz ist verloren.
Ein Kontinent, der aus Angst vor jedem Risiko so viele Regeln schafft, dass Innovation zum bürokratischen Hindernislauf wird, schützt am Ende nicht seinen Wohlstand – er schafft ihn ab.
Bürokratie als europäische Industrie
Europa ist hervorragend darin geworden, Prozesse zu organisieren. Die Frage ist nur: Organisieren wir noch die Zukunft – oder verwalten wir bereits die Vergangenheit?
Meine persönliche Einschätzung, Europa verwaltet die Vergangenheit.
Der Buchtitel vom ehemaligen Präsidenten der Wirtschaftskammer Österreich – Dr. Christoph Leitl – 2049 China am Ziel, Europa am Ende? – muss abgeändert werden.
2026 – Europa ist erfolgreich dabei sich abzuschaffen. Europa vertreibt Investoren durch das vorherrschende Mindset -das von Neid, Reglementierung, Bestrafung, Suche nach Fehlern geprägt ist. China ist am Ziel zur wirtschaftlichen Weltmacht.
Jeder Unternehmer wird seine Investition beim derzeit vorherrschenden Klima hinterfragen.
Ein Unternehmer, der eine neue Fabrik bauen möchte, braucht Kapital, Fachkräfte, Energie und Kunden.
Er braucht aber zunehmend auch Geduld. Genehmigungen, Umweltprüfungen, Berichtspflichten, nationale Sonderregelungen und europäische Vorgaben können Projekte über Jahre verzögern.
Währenddessen baut ein Wettbewerber irgendwo anders auf der Welt seine Produktionskapazität auf.
Das ist der entscheidende Punkt: Bürokratie kostet nicht nur Geld. Sie kostet Zeit.
Und Zeit ist im internationalen Wettbewerb eine Währung.
Wer zwei Jahre früher produziert, zehn Jahre früher skaliert oder fünf Jahre früher eine Technologie auf den Markt bringt, kann einen Vorsprung erreichen, den kein europäisches Förderprogramm mehr einholt.
Das große europäische Zaudern
Noch problematischer als Bürokratie ist das Zaudern.
Europa diskutiert lange. Es wägt ab. Es bildet Arbeitsgruppen. Es erstellt Strategien, bildet Arbeitskreise und ist stolz auf unzählige Abstimmungsrunden. Nach 3 Jahren gibt es bestenfalls einen faulen Kompromiss, der niemandem dient.
Es kündigt Programme an. Und irgendwann stellt man fest, dass andere längst gehandelt haben.
Das Muster ist bekannt: Erst wird eine neue Technologie unterschätzt. Dann wird ihr Erfolg bestaunt. Danach wird eine europäische Strategie entwickelt – es wird blockiert, erschwert. Anschließend folgen Förderprogramme, Regulierung und Gipfeltreffen ohne nennenswerte Ergebnisse.
Und am Ende fragt man sich, warum Europa bei der entscheidenden Technologie nicht an der Spitze steht.
Das Potential ist vorhanden – leider wird es stümperhaft vergeigt.
Diese Haltung kann sich Europa nicht mehr leisten.
Die Welt wird nicht auf europäische Beschlussverfahren warten.
Aber Europa ist (noch) nicht am Ende
Genau hier liegt der entscheidende Unterschied.
Europa hat gewaltige Probleme – aber Europa ist deshalb noch lange nicht verloren.
Es braucht Führungspersönlichkeiten, Leader, die den Mut haben, mit dem vorhandenen Wissen rasch Entscheidungen zu treffen, Orientierung zu geben, Vertrauen aufzubauen.
Der Kontinent verfügt über hervorragende Universitäten, eine starke industrielle Basis, hochqualifizierte Arbeitnehmer, leistungsfähige mittelständische Unternehmen, große Kapitalmärkte und einen riesigen gemeinsamen Binnenmarkt.
Leider werden genau diese „schikaniert“.
Was fehlt, ist weniger die Substanz als der politische und gesellschaftliche Wille, daraus wieder Stärke zu machen.
In Lösungen zu denken statt nach Schuldigen zu suchen.
Entscheidungen bei Unsicherheit zu treffen.
Europa muss wieder lernen, Dinge zu ermöglichen statt sie hauptsächlich zu verhindern.
Der Ausweg: Weniger Angst, mehr Mut
Der Ausweg beginnt mit einem einfachen Prinzip: Nicht jede mögliche Gefahr darf wichtiger sein als die mögliche Chance.
Europa braucht eine neue Kultur des Machens.
Bedenken Sie bei jeder Entscheidung – Cola ist durch einen Fehler entstanden – es sollte ein Medikament gegen Kopfschmerzen werden und es ist eine Erfolgsstory.
Aus der ehemaligen DDR Schiffahrt wurde Aida – eine erfolgreiche Reederei.
Wie war das möglich? Menschen glaubten an ihre Visionen und gingen in Risiken ein. Menschen folgten ihnen gerne, nicht weil diese Unternehmen die schönsten Prozesse hatten, die schönsten Formulare, sondern weil Menschen an der Spitze standen, die an sich glaubten, die eine Vision, einen Traum und ein attraktives Ziel hatten.
Neue Unternehmen müssen schneller gegründet werden können.
Genehmigungsverfahren müssen radikal verkürzt werden.
Erfolgreiche Unternehmen dürfen nicht dafür bestraft werden, dass sie erfolgreich sind.
Die Frage – wie machen die das, was wir nicht schaffen ersetzt die Frage – „Dürfen die das?“
Investitionen in Energie, Infrastruktur, Digitalisierung und neue Technologien müssen Vorrang bekommen.
Und vor allem braucht Europa eine Mentalität, die Fehler wieder zulässt.
Denn Innovation bedeutet zwangsläufig, dass manches scheitert.
Wer niemals scheitern will, wird auch niemals etwas Großes schaffen.
Europa muss sich entscheiden
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob Europa genug Potenzial besitzt.
Die Frage lautet: Will Europa dieses Potenzial nutzen?
Oder will sich Europa weiter zu Tode administrieren?
Will es weiterhin darüber streiten, wer Schuld trägt, wer mehr bekommt und wer weniger zahlen muss?
Oder will es wieder etwas aufbauen?
Will es Unternehmen misstrauisch betrachten – oder ihnen zutrauen, Wohlstand zu schaffen?
Will es jede Veränderung zunächst regulieren – oder zunächst verstehen, welche Chancen darin liegen?
Und will es darauf hoffen, dass die Welt auf Europa Rücksicht nimmt – oder selbst wieder Tempo aufnehmen?
Europa braucht keinen neuen großen Plan.
Europa braucht den Mut, weniger Pläne zu machen und mehr zu tun. Erfolg hat 3 Buchstaben – TUN.
Der Kontinent ist noch nicht am Ende, aber es ist 11.59.55 Uhr - Aber die Zeit, in der er es sich leisten konnte, langsam zu sein, könnte vorbei sein.
Der Ausweg liegt nicht irgendwo außerhalb Europas.
Er liegt in einer Entscheidung: weniger Neid, weniger Bürokratie, weniger Zaudern – und endlich wieder mehr Vertrauen in die eigene Kraft.
Und in einer Gesellschaft mit dem Mindset – Wir schaffen das. Ähnlich dem Song von „Geier-Sturzflug – Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt“.
Denn Europas größtes Problem ist vielleicht nicht, dass andere schneller geworden sind.
Europa hat vergessen, wie schnell es selbst sein kann, was es alles schon geschafft hat und auch heute schaffen kann.
Gerald Unger

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